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31. Juli 2016

♡ - Wort #66


Meine Oma war mir als Kind oft ein Rätsel. Aus heiterem Himmel fing sie an wirres Zeug zu reden, obwohl sie sonst eigentlich immer einen klaren Verstand hatte. Als ich älter wurde ahnte ich langsam, dass es nicht nur eine Sprache auf der Welt gibt, sondern hunderte, ach was sag ich tausende!
Irgendwann begriff ich auch, dass das was sie da von sich gab, keinesfalls geistige Aussetzer waren, sondern lediglich ihr Heimatdialekt: Ostpreußisch.
Die Sprüche, an die ich mich erinnere, kann und möchte ich hier jedoch nicht wiederholen, da sich diese für eine feine Dame nicht schicken, wie meine Mama sagen würde.
Nichts desto trotz gibt es immer mal wieder Ausdrücke die uns schmunzeln lassen. Gestern beim gemütlichen Würfelspiel - denn Urlaubszeit ist ja bekanntermaßen auch Familienspielzeit - sagte also mein Papa wir sollen uns mal ein wenig ranhalten sonst würden wir noch die ganze Nacht sitzen und schurgeln. Was für ein herrliches Wort dieses schurgeln es hat ein bisschen was von einem onomatopoetischen Begriff, dem Geräusch, wenn man einen kleinen Gegenstand über einen anderen schleift. Schurgeln hat viele verschiedene Bedeutung in den deutschen Dialekten.
So heißt es im rheinischen en hot de ganzen Dag geschurgelt, wenn jemand den ganzen Tag schwer gearbeitet hat. Im pfälzischen ist es unserer Bedeutung ganz ähnlich: etwas rollen oder kugeln.
Im Südhessischen verwendet man schurgeln nur mit dem Präfix ver-. Wenn man etwas verschurgelt hat, hat man durch zu langes Braten das Fleisch einschrumpfen lassen.
Wer hätte das gedacht, dass wir an einem so faulen Sonntag noch so viel lernen.

Vielen Dank fürs Lesen und eurem Interesse an meinen sprachwissenschaftlichen Ausflügen :)


10. Juli 2016

♡ - Wort #65


In den letzten Jahren habe ich nicht nur theoretisch viel über Dialekte gelernt, sondern auch einige Freunde gefunden, die herrliche Dialekte sprechen. Und nein, auch wenn das gerade so klingt, ich bin nicht nur wegen ihrer Dialekte mit ihnen befreundet :)
Verzeiht mir das Thema, es ist sehr ernst und unser Gespräch hatte eigentlich auch einen sehr ernsten Hintergrund, aber ich kann euch den lustigen Teil davon einfach nicht vorenthalten.
 Wir saßen vor einiger Zeit zu dritt zusammen in der Mensa. Zwei Brandenburger und ein Thüringer, nennen wir ihn mal "Max" - wer könnte sich eine lustigere Kombination vorstellen?!
Mein Problem ist, dass ich zwar Dialekte liebe, aber selten wirklich auf Anhieb verstehe. Das Gespräch plätscherte so vor sich hin und ich saß zwar noch mit am Tisch, war aber mit meinen Gedanken schon wieder ganz wo anders. An den Nebentischen saßen überall verteilt einzelne Rentner und aßen Mittag. Ich klinkte mich also wieder ins Gespräch ein, welches fortan wie folgt stattfand:

Ich (Brandenburgerin): "Guckt mal hier sitzen überall einzelne Rentner, die sind bestimmt einsam."
Max: "Ja, die könnten doch einfach jedem Renter ein unbekleidetes Kind geben, dann wären die beschäftigt."
Ich: "Was sollen denn die Rentner mit unbekleideten Kindern machen, welche meinst du denn überhaupt?!"
Max: "Na die können mit denen machen was sie wollen, sich mit ihnen beschäftigen eben. Es kommen doch jetzt so viele über die Grenzen."
Ich: "Ja, aber warum müssen die denn unbekleidet sein?!"
Max: "Na sonst sind ja die Eltern dabei, da brauchen sie ja keinen anderen."
Ich: "Hm. Und warum sollen die ohne Eltern nackig sein? Meinst du, die kommen hier ohne Kleidung an?"

Bei dem Blick der anderen beiden dämmerte mir langsam -  sehr langsam, dass wir uns gerade nicht wirklich über nackige Kinder unterhalten ...

3. Juli 2016

♡ - Wort #64


Im letzten Jahr habe ich mir den wunderschönen Monat August gekauft. Ja, ihr habt richtig gelesen: ich habe ihn gekauft. Als Buch. Vom Reclam Verlag.
Dort habe ich heute über die Hundstage gelesen. Bisher kannte ich den Ausdruck nur aus Walter Kempowskis gleichnamigen Buch. Heute habe ich jedoch erfahren, was es damit auf sich hat.
Gemeint sind mit den Hundstagen genau jene, in denen auch das Sternzeichen des Löwens angesiedelt ist. Beginn der Hundstage ist der 23. Juli, enden tun sie am 23. August. Diese Zeit ist meist die heißeste Zeit des Jahres, doch damit hat der Begriff eher weniger zu tun.
Tatsächlich kommt er nämlich aus der Astronomie. Das Sternenbild der große Hund, oder auch Canis Major genannt, tauchte im Juli am Sternenhimmel auf. Bis es vollständig zu sehen war verging genau ein Monat.
Achtung, achtung! Alle Harry Potter Fans einmal aufgepasst. Wie heißt wohl der hellste Stern in diesem Sternenbild? Richtig! Sirius.
Heutzutage hat sich das Auftauchen des Sternenbilds durch den modernen Kalender jedoch soweit verschoben, dass es nun erst im September vollständig zu sehen ist. Dennoch kann man den Ausdruck Hundstage noch ab und an hören und sollte nicht in Vergessenheit geraten.

26. Juni 2016

♡ - Wort #63


Heute gibt es mal wieder was aus dem Bereich "freundliches Meckern für Anfänger".
Ich denke nicht nur hier auf dem Land, sondern auch überall anderswo auf der Welt ist es verpönt sich mit fremden Federn zu schmücken, oder, wie manch anderer sagt: sich ins gemachte Nest zu setzen. Bei uns gibt es dafür einen ganz anderen Ausdruck, der eine (zwar nicht gleiche), aber doch ganz ähnliche Bedeutung hat.
So nörgelte mein Papa gestern auf der Fahrt in eine nicht näher zu benennende Stadt: "Die sind hier alle gleich, denken Wunder wer se losjelassen hat!"
Damit wird nicht nur über eine ganze Stadtbevölkerung gemeckert, sondern auch Frauen und Männer, sowie Jugendliche und Kinder betitelt, die eingebildet und hochnäsig daherstolzieren und alles besser wissen.
Sich etwas darauf einzubilden, in welcher Familie man geboren ist, ohne selbst etwas zu diesem Ansehen beigetragen zu haben, ist nicht die schönste Charaktereigenschaft und wird von meinem Papa oft sofort mit diesem charmant-beleidigenden Satz betitelt. Ich habe als Kind selten verstanden, was er mit solchen Dingen meinte und muss heute oft darüber lachen.
Das ist ähnlich wie bei den alten Bibi Blocksberg Kassetten. Nehmt euch mal ein altes Hörspiel vor und hört es euch an. Ihr werdet erstaunt sein, was ihr als Kinder so alles verpasst habt. Mein heimlicher Favorit: Folge 20 Papa ist weg.
Die Folge gibt es leider nirgendwo online, dafür aber Folge 23: Der Autostau, die ist auch nicht ohne :D


Viel Spaß beim Hören und Staunen! Habt einen schönen Sonntag :)

19. Juni 2016

♡ - Wort #62


Schon seit dem ich denken kann bin ich eine riesen große Bangbüx. Dunkle Dachböden und Keller habe ich schon immer gemieden und meide sie manchmal noch heute.
Horrorfilme faszinieren mich, verfolgen mich aber auch mehrere Monate. So war ich als Kind hin- und hergerissen, wenn X Faktor lief. Ich konnte nicht wegschalten, aber danach auch nächtelang nicht einschlafen.
Knarrende Türen, knarzende Böden und unheimliche Geräusche sind absolut nichts für mich und treiben mir eine Gänsehaut über den Rücken. Ich meide Friedhöfe im Dunkeln, was schwierig war und ist, da dieser in meinem Heimatdorf genau auf halber Strecke zwischen unserem Haus und dem meiner besten Freundin liegt.
Ich liebe hingegen Gruselgeschichten und Spukgeschichten, die über unser Haus und über Menschen aus unserer Heimat erzählt werden, doch bin ich dann mal allein zu Haus oder allein unterwegs fallen mir all diese Geschichten wieder ein und meine Phantasie nimmt freien Lauf.
Erst neulich ging ich nachts allein nach Haus. Dem Abendessen bei einem Freund schloss sich noch ein Spieleabend an, der sich bis nachts um zwei in die Länge zog. Mir blieb nichts anderes übrig den Nachtbus zu nehmen und eine kurze Strecke von 500 Metern zwischen Bahnschienen und dunkklen Häusern allein zurückzulegen. Hinter mir hörte ich Schritte, die schneller wurden, wenn ich schneller wurde und verlangsamten, wenn ich langsamer wurde (höchstwahrscheinlich waren sie stets gleichbleibend und höchstwahrscheinlich nahm mich die andere Person gar nicht wahr, weil sie, wie ich später feststellte gar nicht so dicht hinter mir ging, wie Anfangs gedacht.)
Ich nahm also eine Abkürzung über einen Hinterhof und wartete hinter einer großen Hecke darauf, dass die Person mich überholte. Es war einfach jemand, der wahrscheinlich auch länger als gedacht bei Freunden war und nun auf seinem Weg nach Hause genau die gleiche Strecke hatte wie ich. Unbeirrt ging er weiter und letztendlich war ich hinter meiner Hecke die einzig gruselige Gestalt in der Nacht.

Ich geb es offen zu, ich bin eine waschechte Bangbüx, so sehr mich gruselige Dinge faszinieren, sosehr entfalten sie auch ihre volle Wirkung und befeuern meine schier entlose Phantasie.

Habt einen schönen und gruselfreien Abend und schämt euch nicht für eure Angst - die Welt wäre nur halb so lustig, würde es keine Grusel-Moment-Storries geben :D


5. Juni 2016

♡ - Wort #61


Als ich vergangenen Sonntag gerade das letzte Herzwort schrieb und meine Familie Inspector Banks schaute, kam mir sogleich die Idee für das nächste.
Als der Tatort abgesperrt wurde und die Polizisten in Warnweste die Szenerie absperrten, bemitleidete meine Mama die armen britischen Polizisten in ihren tschitscheringrünen Westen "Guck doch nur, was die da anhaben müssen!"


Teschitscheringrün, was für ein schönes Wort! Als ich es als Kind gelernt habe, hab ich überall nur noch tschitschringrüne Dinge entdeckt, so wie das Schlüsselband an unserer Haustür und einen Stift in meinem Malkasten.

Auf den Bildern oben sieht es leider nur wie gelb aus, aber gemeint ist eigentlich diese grell gelb-grüne Farbe aus den 90ern.
Nicht jedoch, wenn man Wikipedia befragt. Da heißt es, dass die Farbe nicht definiert ist, und man die typisch grüne Trabi Frabe als solche bezeichnet:


Trabant (Panasonic G1) - Flickr - mick - Lumix.jpg
Von Mick from England - Trabant (Panasonic G1), CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=18305967

Na ich weiß ja nicht! Kennt ihr den Begriff Tschischeringrün? Und welche Grüntöne betitelt ihr damit?

29. Mai 2016

Abwesenheitsbericht & ♡ - Wort #60


Fünf Wochen Abstinenz sind eine lange Zeit für jemanden wie mich, der seinen Laptop liebt. Fünf Wochen ohne meine Daten, meine Fotos, meine Bearbeitungsprogramme und vor allem fünf Wochen ohne meinen Blog!
Aber von vorn: Da Micha und ich eine traumhaft schöne Wohnung gefunden haben, gab es vor fünf Wochen eine Abschiedsparty in meiner "alten" WG umd der alten Zeiten zu gedenken und den Neustart zu feiern. Einer der Gäste meinte dann eine Privatparty in meinem Zimmer starten zu müssen, nahm seine Cola mit und ... stolperte natürlich. Die Cola schwappte natürlich nirgendwo anders hin als auf meinen Laptop. Ganz großes Kino.
Am nächsten Tag hat natürlich alles geklebt und das Mainboard war dahin. Klasse! Und das gerade, als ich meine Bachelorarbeit angemeldet hatte.
Nicht weniger als 5 Wochen hat es dann gedauert, bis die Versicherung Geld überwiesen hat und ich den Laptop reparieren lassen konnte. Mein Laptop wurde in den fünf Wochen von A nach B geschickt und wieder zurück. Lag in Büros, Werkstätten und sonstewo ... nur nicht bei mir.

Was ich in den fünf Wochen gemacht habe? Hier mal eine schnelle Zusammenfassung in fünf Bildern


In den fünf Wochen hatte ich genug Zeit Blogposts zu planen, neue Hobbys auszuprobieren,   den Umzug vorzubereiten, Möbel abzuschleifen, zu streichen, Pflanzen großzuziehen, neue Rezepte auszuprobieren, hunderte Bücher zu lesen, und viele tausend Bilder zu machen.

In den nächsten Monaten könnt ihr euch also nicht nur auf neue Buchrezensionen freuen, sondern auch auf viele vorher/ nachher Posts der neuen Wohnung.

Nun aber noch zum Herzwort, es ist schließlich das 60. und sollte daher nicht unter den Teppich gekehrt werden.


Ich musste kürzlich mal wieder lernen, dass eines der vielen schönen Wörter, die nicht nur ich, sondern auch andere Mitglieder meiner Familie verwenden, gar nicht existiert.
Meine Mama hat erst neulich wieder angefangen zu schmunzeln, als ich davon erzählte, dass ich ein paar Samen aus einer Werbepackung eingepflanzt habe: Das könnten Sonnenblumen sein oder sonstewas.
Erst da habe ich erfahren, dass es sonstewas gar nicht gibt und Juli und ich es schon seit jeher falsch sagen. Interessant ist, dasss wir beide das Wort nie in Frage gestellt haben, uns nie aufgefallen ist, dass es niemand anderes gesagt hat und vor allem! dass unsere Mama es so süß fand, dass wir als kleine Kinder sonstewas statt sonst was, dass sie es bis vor Kurzem nicht übers Herz brachte diesen Fehler auszumärzen. Waru und das auch sicher nur, weil sie ganz genau weiß, dass es jetzt eh zu spät ist :D

10. April 2016

♡ - Wort #59


Meine Familie verbindet seit jeher eine innige Leidenschaft zum Handwerken. So kommt es häufig vor, dass jeder am Wochenende an seinem eigenen kleinen oder auch großen Projekt arbeitet und man sich nur zum Frühstück, Mittag oder Abendbrot zusammensetzt.
Da nimmt man dann seinen Hut ab, der die wilden Haare im Zaum hält, oder schüttelt die letzten Späne aus dem Hemd, damit man im Haus keinen Dreck macht. Doch an den Sonntagsstaat reichen diese kleinen Anflüge von Reinheit noch lange nicht heran und so hören wir meine Mama oft sagen: "Du siehst ja schon wieder aus wie ein Strauchdieb!"
Ein Strauchdieb? Ist das einer, der Sträucher stielt?! :D
Nein, natürlich ist es ein Gauner, der im Gebübsch hockt und auf sein nächstes Opfer wartet. Ähnlich wie der gemeine Strauchdieb, eine weit verbreitete Raubfliegenart.
Da haben wir wieder was gelernt. So kurz kann der Weg von der Umgangssprache hin zum unnützen Wissen sein.
Habt ihr auch gerade ein Frühjahrsprojekt an dem ihr arbeitet, oder ist euch der Sonntag heilig und dient ausschließlich zur Entspannung?

3. April 2016

♡ - Wort #58


Oft und gerne erzählen meine Eltern von unseren Campingausflügen an die Mecklenburgische Seenplatte. Da gab es den Kiosk an der Ecke, an dem verlorene Nukel wiedergefunden wurden. Den Spielplatz mit den stabilen Eisenschaukeln und Rutschen und die vielen schönen Erinnerungen an lauschige Abende, die man sich mit Kartenspielen oder Geschichtenerzählen vertrieb.
Ach und dann gab's da natürlich noch den Nachbarn mit seiner riesigen Hazienda ...
Was bitte? Was hatte der?!
Eine Hazienda meint meist eine Farm in Süd- und Mittelamerika. Das Wort stammt aus dem Spanischen und bedeutet Landsitz.
Ihr könnt euch also vorstellen wie groß der Wohnwagen plus Vorzelt des unbeliebten Nachbarns war.
Schon lange waren wir nicht mehr dort, an den schönen Seen Mecklenburgs und heute wären wir mit einer ebensolchen Hazienda sicher immer noch die bescheidensten Besucher am Platz.
Wenn schon Camping, dann verreiste ich doch lieber nur mit kleinem Zelt oder großem Auto mit Matratze im Kofferraum. Was vergessen wurde, braucht man nicht und wenn der Hammer für die Heringe fehlt nimmt man eben einen Stein. Frei nach der Devise Not macht erfinderisch.
Wie sollte man denn heutzutage sonst auch seine Nachbarn auf dem Zeltplatz noch kennenlernen, wenn man sich nicht mal einen Topf oder etwas Salz ausleihen kann.
Vielleicht ist mein Bild vom Camping auch etwas überzogen, da ich die letzten Male im Jugendalter mit Freunden zelten war und dort immer zum "pöbelnden Trupp" gehört habe. Dabei waren wir sehr harmlos und nur laut weil es so viel zu lachen gab.

Auf bestes Wetter für die nächste Woche hoffend wünsche ich euch noch einen schönen Sonntag!

27. März 2016

♡ - Wort #57


Wer hat das Wort in unseren Breiten nicht auch schon mal gehört und sich gefragt: Was heißt das eigentlich, Schisslaweng?
Auf meiner Suche nach dem Sinn des Worts kam ich auf die Erklärung, dass es wohl aus dem Französischen stammt: ainsi cela vint = so ging das zu. Im Berliner Raum wird es genutzt um auszudrücken, dass jemand etwas mit viel Elan und Freude tut, nun gut. Dabei hätte ich es vielleicht belassen sollen. Aber meine Neugier trieb mich in ungeahnte Tiefen des Internets, die ich nie betreten wollte:
 ... Klaus Hoffmann, ein Berliner Musiker hat also das Wörtchen Schisslaweng auf seinem Album Hoffmann - Berlin 1998 vertont - ich hätte es lieber bleiben lassen sollen, mir das Lied anzuhören.
Es klingt ein bisschen wie ein Werbelied von Danone oder Zott Sahnejoghurt gepaart mit Roland Kaiser und einem Pfiff Kinderbuchvokabular. Ich gebe es offen zu: Ich habe es nicht bis zum Ende durchgehalten, nach 2:27 Minuten war für mich Schluss.
Bis eben fand ich das Wort noch wunderschön und hoffe, dass ich das Lied nie wieder damit in Verbindung setze.
Für alle Mutigen unter euch gibt es im Anschluss das Lied. Wer es schafft das Lied komplett durchzuhören, ist gerne eingeladen seine Erfahrungen hier zu teilen:



Weitere Recherchen ergaben, dass Schisslaweng auch auf twitter vertreten ist.

https://twitter.com/Schisslaweng

Auf dem ersten Blick ein ganz netter Account, doch der Schein trügt. Selten habe ich so viele unsinnige Posts aneinandergereiht gesehen.

Und dann gibt es da noch diese Comicreihe, die auch eher weniger witzig ist:

http://www.schisslaweng.net/arbeitstag/

So ein schönes Wort und so viele Möglichkeiten es zu missbrauchen.  Mit ein wenig mehr Cislaweng als die oben genannten Vorreiter könntet ihr das Ruder noch rumreißen und es zu dem it-Wort des Jahres machen ... oder wir verdrängen es alle ganz schnell wieder und lassen es in die Annalen des Vergessens eingehen.
Habt alle einen schönen Ostersonntag und geht mit viel Cislaweng auf einen ausgedehnten Osterspaziergang mit den Lieben, die euch umgeben.

13. März 2016

♡ - Wort #56


Mich wundert es ja sehr, dass ich den guten alten Anorak hier noch nie erwähnt habe! Dabei ist dies ein ganz besonderes Wort, das mir sehr am Herzen liegt. So selten hört man noch Anorak, hat doch die Jacke ihn fast vollends verdrängt.
Obwohl das Wort geschrieben noch merkwürdiger aussieht, als es klingt, ist der Anorak etwas, das mich seit Kindertagen begleitet hat. Alle Jacken zum Schutz vor Kälte betitelten wir mit Anorak, alle dünnen Jacken, wie etwa eine Strickjacke oder auch die Schlafanzugoberteile, mit Jacke. Ziemlich simpel und jeder wusste was es anzuziehen galt wenn es hieß: "Kinder zieht den Anorak an, wir gehen jetzt spazieren."
Wusstet ihr übrigens, dass das Wort Anorak aus dem Eskimoischen (ja, das heißt so!) kommt?! Nicht? Dann wisst ihr es jetzt. Auch dort ist es das Wort für einen Pelzüberzug oder eben eine Schneejacke.

21. Februar 2016

♡ - Wort #55


Lange Zeit war ich der festen Überzeugung, dass es nicht Stegreif heißt, sondern Stehgreif. Ich meinte, dass die Redewendung daher kommt, dass man etwas aus dem Stand aus der Luft greift. Sozusagen ein Zusammenschluss zweier weiterer Redewendungen.
Doch dann sah ich irgendwann mal eine Sendung über Redewenungen und deren Entstehung und wurde eines besseren belehrt.
Eigentlich hat das Ganze nämlich damit zu tun:


Zur Zeit als es noch keine Autos gab und Nachrichten noch mit einem Boten überbracht wurden, gab es unter ihnen auch besonders eilige. So mancher Bote stieg nicht erst ab um die Nachricht zu verkünden, sondern blieb seine Füße im Stegreif, heute besser bekannt als Steigbügel. Daher kam der Ausspruch, dass man etwas aus dem Stegreif verkündet, wenn man es eilig hatte seine Neuigkeit loszuwerden. Heute hat sich jedoch die Bedeutung ein wenig abgewandelt, heißt es doch, dass man etwas Spontan von sich geben kann und nicht muss.

7. Februar 2016

♡ - Wort #54


Eine Pause vom Lernen kann ich jetzt richtig gut gebrauchen. Und da ich mich nur zu gerne vom Lernen abhalte, habe ich heute mal ein wenig länger gegrübelt und ein Herzwort aus meiner Kindheit hervorgekramt. Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass ich das Wort Fisimatenten als Kind zwar nicht oft, aber mindestens ein Mal gehört habe. Damals verstand ich nicht, was es heißt doch machte daraus Fiesematenten.
Das Wort fies war mir ja bekannt und über Matenten habe ich mich gar nicht so sehr gewundert ich dachte einfach, dass das ein Synonym für Machenschaften oder Taten ist. So dachte ich immer, dass die Leute die Fisimatenten begingen sehr schlimme Finger sein mussten, die alles andere als nett zu ihren Mitmenschen sind. Es mussten sicher Leute sein, die absichtlich Dinge tun, die andere ärgern.
Lange Zeit habe ich darüber nicht mehr nachgedacht, bis ich heute das Herzwort schreiben wollte.
Und siehe da: Ich war als Kind gar nicht so im Unrecht. Das Lexikon sagt nämlich, dass Fisimatenten "etwas, was unnötigerweise etwas anderes behindert, verzögert; Umstände; Sperenzchen, Ausflüchte" sind.

31. Januar 2016

♡ - Wort #53


Die Mummelratzen haben mich gerade verrückt gemacht, ins Bett geschickt und wollen nun, dass ich schnell schlafe.
Ich kann mich noch genau daran erinnern, als ich die Mummelratzen zum ersten Mal kennengelernt haben. Ich war etwa 5 oder 6 und war mit meinen Eltern und dem Chef von meinem Papa in einem Restaurant essen. Mich krabbelte es erst auf dem Rücken und dann an den Armen, alles juckte und Mama musste kratzen. Da sagte der Chef meines Papas: "Na da sind wohl die Mummelratzen schon da. Dann musst du schnell schlafen gehen." Kurze Zeit später wurden mir tatsächlich die Augen schwer und ich bin am Tisch im Restaurant eingeschlafen.
Seither heißt es immer, wenn sich am Abend bei uns jemand die Arme kratzt oder ihm der Rücken juckt, dass die Mummelratzen wieder da sind.
Ich habe mal gegoogelt und herausgefunden, dass der Mummelratz eigentlich ein Schreckgespenst aus Thüringen ist und veralteter Kindererziehung entstammt. So hieß es, dass der Mummelratz kommt, die Kinder entführt und an ferne Orte bringt, wenn sie nicht lieb sind.
Meine moderne Form der Mummelratzen finde ich viel schöner und phantasievoller als einen alten Tattergreis der scharf auf Kinder ist.
Na juckts schon? Dann ab ins Bett :)

24. Januar 2016

♡ - Wort #52


Was ist das nur für ein Tohuwabohu?!
Das hört man doch eindeutich zu selten. Bei uns zu Hause herrscht auch gerade ein mächtiges Tohuwabohu. Keine Details, nur so viel: wir schlachten ;)
Damit es bald wieder Fleisch bei uns gibt, in echt bio und ohne Zusatzstoffe.
Das Wort kommt übrigens aus dem Hebräischen und heißt so viel wie Wüste und Öde.

17. Januar 2016

♡ - Wort #51


Ich weiß nicht wie es euch geht, aber ich liebe es am Küchentisch zu sitzen, einen Kaffee zu schlürfen und dabei Kreuzworträtsel zu lösen. Dabei kann ich alles um mich herum vergessen und mal richtig abschalten. Und trotzdem habe ich nicht das Gefühl meine Zeit vergeudet zu haben, da ich mich ja dann doch irgendwie bilde oder zumindest fit halte.
Ich habe mir sagen lassen, dass auch meine Oma ihren Frieden im Kreuzworträtseln und Kaffeetrinken gefunden hat, ob sowas vererbbar ist?
Letztens gab es mal wieder ein kniffliges Rätsel in der Sonntagszeitung und das Lösungswort sollte Vademekum sein.
Glaubte ich nicht, schlug ich nach, musste ich dann doch glauben.
Trotz meines Studiums und meiner jahrelangen Erfahrung mit Lehrbüchern ist mir dieses Synonym nie untergekommen.
Vademekum ist nämlich ein Lehrbuch, oder auch ein Ratgeber oder ein Leitfaden in Form eines kleinen Büchleins. Es kommt aus dem Lateinischen vade me cum! was so viel heißt wie Geh mit mir!
(Sagt zumindest Wikipedia.)
Ich fühle mich heute auf jeden Fall ganz beseelt zwischen all den Vademekums und grüße euch aus der ortsansässigen Bibliotehk.

10. Januar 2016

♡ - Wort #50


Ab und zu mache ich mal einen kleinen Besuch in unserer ortsansässigen Kita und staune immer mal wieder über das gegenseitige Verstehen von Kindern und Erziehern. Ich verstehe meist einfach nichts, nicke und lächle, wenn mir die Kinder etwas vorbrabbeln und meine Mama?! macht einfach mit, sodass ich weder die Kinder noch sie verstehe. Erst letztens traf ich auf folgende Situation:
Das Essen war bereit, die Kinder sollten nun die Tische decken und sich zum Essen einfinden, meine Mama ruft: "Räumt mal eure Pachheidels weg und dann werden bitte die Hände gewaschen." Erstaunt linste ich um die Ecke, was denn die Kinder da wegräumten um zu erfahren, was Pachheidels sind. Und, was war es? Alles mögliche: Lego, Bauklötze, Puppen, Bücher etc., etc.
Auf Nachfrage wurde ich ungläubig angeguckt "Du kennst Pachheidels nicht? Das hab ich euch doch früher auch gesagt. Das sind einfach die Dinge mit denen man gerade beschäftigt ist."
So, so, dann packe auch ich jetzt mal alle meine Pachheidels weg und gehe schlafen.

Gute Nacht ihr Lieben!

3. Januar 2016

♡ - Wort #49

Nachdem ich mir über die Feiertage mal eine kleine Auszeit von allem gönnte (selbst mein Laptop bekam mich kaum zu Gesicht!), starte ich nun wieder mit einem weiteren Herzwort und vielen Plänen für neue Buchrezensionen ins Jahr 2o16. 


Silvester ist ja immer ein Feiertag der Begegnungen und der Freunde und so waren auch unsere Freunde aus Dresden endlich mal wieder zu Besuch im hohen Norden. Sie sind zwar beide keine waschechten Sachsen, doch sprachlich haben sie sich schon bestens angepasst. Es ist immer wieder ein Vergnügen ihren fremden Ausdrücken zu lauschen. Dieses Mal habe ich mir auch gleich einen fürs Herzwort gemerkt: Wischhader.
Gut, dass es ja immer Kontext gibt, sonst hätte ich es wohl nicht gleich verstanden, das schöne Wort.
Beim Aufräumen und Saubermachen am 01. Januar wurde nämlich nach einem Wischhader verlangt, damit nach dem Saugen die Küche auch gleich durchgewischt werden kann.
Was für ein schönes Wort! Ähnlich schön wie Feudel oder Kehrblech.
Heute bleiben aber alle drei im Schrank. Nur das Staubtuch hatte einen kurzen Auftritt an meinem sonst so ruhigen Sonntagnachmittag.
Ich geh jetzt Star Wars gucken, damit ich dem Micha dann eine Freude machen kann und alle alten Filme kenne, bevor wir den neuen im Kino sehen.
Habt es schön und bleibt bei der Kälte lieber auf dem Sofa!



13. Dezember 2015

♡ - Wort #48


Oft freue ich mich sehr oder doll oder auch mal total, aber meist, da freue ich mich unbändig.
Ich weiß gar nicht, wo und wann ich dieses schöne Wort aufgegriffen habe, ich weiß nur, dass es aus dem Mittelhochdeutschen stammt, wie so viele Wörter, die ich mag.

Und da ich mich nun schon seit mindestens einer Stunde unbändig auf mein Bett freue, gibt's heute nur kurz Nachricht von mir und ich verabschiede mich ins Bett.
Schlaft gut ihr Lieben und habt einen schönen Wochenanfang :)

6. Dezember 2015

♡ - Wort #47


Pillepalle ist ein Wort, welches ich schemrzlich vermisse, habe ich es in meiner Kindheit noch so oft gehört, kommt es mir heute kaum noch zu Ohren. Dabei ist so vieles pillepalle: die Sorge ob man die richtigen Geschenke gefunden hat, oder ob man noch die richtigen findet - wer regt sich schon über Weihnachtsgeschenke auf, über die sich ein anderer viele Gedanken gemacht hat. (Ist es ein Notkauf, rege auch ich mich darüber gerne auf, doch zwischen Notkauf und Herzgeschenk kann man doch eh fast immer unterscheiden, oder nicht?!)
Pillepalle ist auch so oft worüber sich gestritten wird: "Immer lässt du den Klodeckel oben!" wobei es kein Akt der Anstrengung ist, ihn selbst herunterzuklappen, wenn es einen doch so unbändig stört.
Und außerdem ist es sowieso pillepalle sich über Menschen und Dinge aufzuregen, die sich nie ändern werden und dennnoch tun wir es immer wieder. Weil es befreit, weil man, wenn man nie meckert und schlecht drauf ist, nicht zu schätzen weiß, wie schön es ist wieder gut drauf zu sein, weil nörgeln verbindet und weil sonst eben nichts mehr pillepalle wäre.